Große Enttäuschung herrschte nicht nur bei den Haspo-Spielern, die nach der Schlusssirene noch minutenlang konsterniert in der Halle saßen oder lagen, sondern auch bei ihren mehrere Dutzend Schlachtenbummlern. Deren Lautstärke in der stimmungsvollen Halle hatte großen Anteil daran, dass die Bayreuther nach einer schwachen ersten Halbzeit und dem 10:17-Rückstand (32.) überhaupt noch einmal zurück ins Spiel fanden. Durch vier Treffer in Folge zum 14:17 (34.) binnen zwei Minuten machte Haspo klar, dass die Messe noch lange nicht gelesen war.

Nun agierten die Bayreuther in ihrer 3:2:1-Abwehr wacher und schneller. Zudem gelangen Torwart Nick Tornow einige starke Paraden. Auf dieser Basis entwickelte auch der zuvor oft harmlos wirkende Angriff mehr Durchschlagskraft, sodass mit einem 9:2-Lauf zum 19:19 (43.) der erste Ausgleich seit dem 2:2 (8.) gelang.

Damit schien das Momentum aufseiten der Bayreuther zu sein, doch im folgenden ausgeglichenen Schlagabtausch fehlte ihnen die Kaltschnäuzigkeit, um auch nur einmal in Führung zu gehen. Sowohl beim Stand von 19:19 als auch beim 20:20 ließen sie mehrere freie Wurfchancen liegen oder trafen falsche Entscheidungen. So legte Landshut wieder eine Schippe drauf zum 22:20 und nach dem 22:22 gar zum 25:22 bei einer Restspielzeit von nur noch fünf Minuten. Nach je einem Tor auf beiden Seiten zog Haspo den letzten Trumpf mit der Umstellung auf eine mannbezogene Deckung und erzwang damit tatsächlich noch einmal den Ausgleich zum 26:26 (58.). In den verbleibenden zwei Minuten bewiesen die Landshuter aber die besseren Nerven und sorgten 30 Sekunden vor dem Ende mit dem 28:26 doch endgültig alles klar.

Entscheidender war letztlich jedoch die ganz schwache erste Halbzeit der Bayreuther. Gegen die harte 6:0-Abwehr der Landshuter unterliefen ihnen viele grobe Fehler im Zusammenspiel, und der Abschluss wirkte oft halbherzig. Auf der anderen Seite brachte die Haspo-Deckung vor allem die flinken Lukas Eichinger (6/2) und Nico Moritz (5) nicht unter Kontrolle. Zudem agierte sie gegen die Rückraumschützen Tobias Gretsch (6) und Matthias Müller (4) zu passiv. So wurden nur wenige Landshuter Angriffe gestoppt – und diese fast nur durch Torwart Tornow.

Schützenhilfe: Auch Hauptrivale verliert

Wieder etwas über den Nullpunkt gehoben wurde die Stimmung im Haspo-Lager gestern immerhin durch nicht unbedingt erwartete Schützenhilfe: Hauptverfolger VfL Günzburg, der mit einem Minuspunkt weniger sogar „heimlicher“ Tabellenführer ist, ging beim Abstiegskandidaten SG Rimpar II ebenfalls leer aus und verlor sogar deutlich mit 23:30. Damit haben die Bayreuther die Entscheidung im Titelkampf weiterhin in der eigenen Hand, denn am letzten Spieltag haben sie im direkten Duell mit den Günzburgern den Heimvorteil. Neu ist jetzt nur, dass auch die TG Landshut wieder gute Chancen auf Platz eins hat – aber die muss nun nach Rimpar...

Haspo Bayreuth: Tornow, Hennig – Nicola (2), Baldauf, Schreibelmayer (11/4), S. Berghammer, Berthold, Luber, Saborowski (2), Elschner (6), Meyer-Siebert (1), Wop-perer (2), Goeritz (3), Klima.

Für Haspo-Damen beginnt der Abstiegskampf

Für die Damen von Haspo Bayreuth hat der Kampf gegen den Abstieg aus der Bayernliga begonnen. Beim TSV Ebersberg, der zuvor auf dem ersten der gefährdeten letzten vier Plätze gelegen hatte, mussten sie mit 24:37 (9:17) überraschend deutlich die vierte Niederlage in Folge hinnehmen und rutschten dadurch bis auf vier Punkte an die Abstiegszone heran.

Mit einer enttäuschenden Leistung hatten die Bayreutherinnen letztlich keine Chance, die Niederlage abzuwenden. Schon der Start verlief denkbar ungünstig mit einem 0:4-Rückstand nach nur vier Minuten. Zwar schienen die Gäste beim 6:9 (18.) einigermaßen ins Spiel zu kommen, doch schlichen sich im Anschluss wieder einige technische Fehler ein. Das nutzte der TSV Ebersberg, um noch vor der Pause eine klare Führung vorzulegen. Als die Gastgeberinnen zu Beginn der zweiten Hälfte gleich noch die ersten beiden Tore zum 19:9 (34.) folgen ließen, war die Partie schon zu diesem frühen Zeitpunkt so gut wie entschieden.

Entsprechend deutlich fielen am Ende die Worte von Haspo-Trainer Udo Prediger aus: „Die Niederlage geht in dieser Höhe in Ordnung, wenn man sich anschaut, wie viele technische Fehler wir gemacht haben. Wir müssen ehrlich zu uns sein und sagen, dass der Abstiegskampf spätestens jetzt begonnen hat, und wir müssen in den letzten sechs Spielen noch mal eine Stufe hochschalten.“

In der Defensive machte sich der Ausfall von Hanna Duchon (beruflich verhindert) und Laura Brahm (verletzt) bemerkbar. Im zweiten Abschnitt probierte es Haspo mit Sonderbewachungen für zwei einheimische Spielerinnen und konnte damit bis zum 20:27 (47.) wenigstens die zweite Halbzeit ausgeglichen gestalten. In der Schlussviertelstunde schwanden jedoch die Kräfte, und der Rückstand wuchs über 21:31 bis auf 22:35.

Die nächste Aufgabe wird für die Bayreutherinnen vermutlich nicht viel einfacher. Bei der SG Mintraching/Neutraubling treffen sie auf den Tabellensechsten. Das Hinspiel konnten sie mit 24:23 für sich entscheiden, weil sie nach dem 19:23 in den letzten zwölf Minuten kein Gegentor mehr zuließen. Für so einen Kraftakt wird sich die Defensive enorm steigern müssen.

Haspo Bayreuth: Benz, Goetjes – Dörfler, Kutzschmar (6), Kerling (5/1), Hall, Ruckriegel, Lindner (4/2), Eckert (1), Koppold (6/4), Janusch (1), Siebert (1).