27 Jahre aktiver Schiedsrichter Handball ist Teil seines Lebens

Der Pegnitzer Peter Wagner ist Verbandsschiedsrichterwart und hat selbst Hunderte Handballspiele geleitet. Foto: Harald Weidmann

Verbandsschiedsrichterwart Peter Wagner vom ASV Pegnitz vermisst Zuschauer und damit die Stimmung in der Halle

Pegnitz - „Wir betreiben die schönste Ballsportart der Welt.“ Dies sagte einst Ernst Werner, Vizepräsident des Bayerischen Handballverbandes (BHV) und sprach damit Peter Wagner vom ASV Pegnitz aus der Seele. Der ist Verbandsschiedsrichterwart und blickt auf eine stolze Karriere als Handballreferee zurück.

„Handball ist Teil meines Lebens“, gibt der 61-Jährige unumwunden zu, eine Leidenschaft, die er derzeit nur vor dem Fernseher erleben kann. Dies tat er auch vor zwei Wochen, als sich die deutsche Nationalmannschaft mit teilweise überzeugenden Leistungen die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen in Tokio sicherte. Was ging in ihm vor, als er die leeren Tribünen sah, einhergehend mit der fehlenden Stimmung? „Das tat weh, Emotionen und Stimmung in der Halle gehören dazu. Ich habe immer die positive Stimmung in den Hallen genossen, die Zuschauer müssen mitgehen, auch wenn sie die Schiedsrichter einmal kritisieren.“

Um die Atmosphäre einer vollen Halle auch als Unparteiischer positiv wahrzunehmen, bedürfe es aber auch einer gewissen Erfahrung, so Wagner: „Man muss sich an volle Hallen gewöhnen. Das ist für Neulinge mitunter natürlich schwer, aber wenn man etwas Erfahrung hat, passt es. Das ist dann besser als eine leere Halle, in der man jeden Zwischenrufer versteht.“

Peter Wagner begann früh seine Karriere als Schiedsrichter. Von 1985 bis 2012 pfiff er im Gespann mit dem Kulmbacher Günter Zeller – Spiele bis in die damalige Regionalliga, was der heutigen 3. Liga entspricht. In dieser Zeit kam er als Schiedsrichter-Beobachter mitunter auch nach Forchheim zu den damaligen VfB-Handballern. Seine weiteste Anfahrt führte ihn als Schiedsrichter bis nach Freiburg und an den Bodensee. „Nach 2012 habe ich meine Karriere auf BHV-Ebene beendet. Ich pfiff danach noch in der Bezirksoberliga und heute leite ich ab und zu ein Spiel, um meine Lizenz zu erhalten“, blickt Wagner auf seine aktive Karriere zurück.

In dieser langen Zeit hat er die rasante Entwicklung des Handballsports hautnah miterlebt. „Wenn man sich ein Spiel aus den 1960er-Jahren anschaut und danach eines aus den 1990ern, dann ist das ein Unterschied wie der von einem Goggomobil zu einem Ferrari“, findet Wagner und hat dabei speziell die „schnelle Mitte“ im Blick. Für Nicht-Handballer: In früheren Zeiten mussten erst alle Spieler nach einem Treffer wieder in der eigenen Hälfte sein, bevor der Anwurf erfolgte.

Dadurch gehören Endergebnisse wie 14:10 der Vergangenheit an, das sind heute Zwischenergebnisse zur Pause. „Damit einhergehend ist die Fitnessanforderung an Schiedsrichter deutlich gestiegen, ich hatte einmal ein Spiel, das endete 43:37. Da war ich beim Notieren acht Tore zurück“, erinnert sich Wagner. In den höheren Ligen werden die Tore mittlerweile nicht mehr vom Schiedsrichter mitgeschrieben, das erfolgt beim Kampfgericht.

Die immer athletischer werdende Sportart hat auch zu einigen Regelanpassungen zum Schutz der Spieler geführt, was während der drei Länderspiele sehr gut zu beobachten war. „Speziell die Außenangreifer müssen besser geschützt werden. Ein Schritt des Abwehrspielers nach außen führte oftmals zu üblen Verletzungen. Heute wird so etwas mit einem Siebenmeter geahndet, bei starker Behinderung sogar mit einer Roten Karte“, erklärt Wagner die zahlreichen Strafwürfe im modernen, höherklassigeren Handball.

„Ein Schiedsrichter steht in einem Spiel 60 Minuten unter Strom“, beschreibt Wagner seine eigenen Erfahrungen, „da kann er nicht lange über Kommentare von Außen nachdenken, da bereits die nächste Entscheidung ansteht.“ Im Leistungsbereich ab der Landesliga muss ein Referee nach Wagners Worten rund 400 Entscheidungen treffen, wobei auch ein Nicht-Pfiff eine Entscheidung ist. Nachwuchsschiedsrichter haben mit Kommentaren und Zwischenrufen sehr oft große Probleme. Ihnen rät der erfahrene Lehrwart, solche Sachen nicht persönlich zu nehmen, die Rufe auszublenden – und nicht aufzugeben.

„Sie können danach mit dem Lehrwart oder Schiedsrichterkollegen über solche Situationen reden. Leider verlieren wir durch unqualifizierte Zwischenrufe viele junge und auch talentierte Schiedsrichter, die nach Beleidigungen aufhören. Das ist nicht nur für den Verband bedauerlich, sondern auch für die jungen Leute selbst, denn als Schiedsrichter lernt man, schnelle Entscheidungen zu treffen und auch dazu zu stehen.“

Wie geht es mit dem Amateurhandball nach der Corona-Pandemie weiter? „Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn es alle Vereine gut überstehen, auch in Bezug auf die Gesundheit der Spieler. Ich befürchte aber, dass es Probleme geben wird, da Spieler abgesprungen sind“, so Peter Wagner.

Richtig verärgert wird er beim Thema Alfred Gislason. Der Handball-Bundestrainer erhielt als „ausländischer“ Coach kürzlich einen fremdenfeindlichen Drohbrief. „Dafür kenne ich keinen passenden Ausdruck. Gislason ist ein honoriger Mensch, der eine tolle Truppe aufs Feld gestellt hat. Auch bei der WM in Ägypten fehlten nur Nuancen.“

 

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