21-Jähriger saß 28 Stunden in der Kälte, bis ihm ein Bayreuther half Imbissbudenbesitzer rettet hilflosen Mann

Von Peter Engelbrecht
Julian aus Himmelkron an der Parkbank am Annecyplatz in Bayreuth, auf der er an Ostern hilflos gesessen hatte. Foto: red Foto: red

Glückliche Rettung: 28 Stunden lang saß der 21-jährige Julian aus Himmelkron an Ostern auf einer Parkbank in Bayreuth in der Kälte, bis ein Imbissbudenbesitzer auf ihn aufmerksam wurde und Hilfe holte. Er hätte erfrieren können, denn die Temperaturen sanken nachts auf minus zwei Grad Celsius.

 
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Er war in Neuenmarkt in den falschen Zug gestiegen und fuhr nach Bayreuth statt wie geplant nach Hof. Julian ist Autist und kann daher fremde Menschen nicht ansprechen, wenn er Unterstützung braucht. Jetzt möchte er sich bei seinem Retter bedanken – weiß aber nicht, wer das war. Der Kurier hat nachgeforscht und den Mann gefunden, der Julian aus seiner misslichen Lage befreit hat.

Julian wohnt in einem Haus der Himmelkroner Dienste für Menschen mit Behinderung. An Ostern wollte er mit dem Zug zu seinen Eltern nach Hof fahren, wie er es seit Jahren tut. Von Himmelkron ging es mit dem Kleinbus zum Bahnhof in Neuenmarkt. Dort nahm das Schicksal seinen Lauf, denn in Neuenmarkt wird der Zug geteilt: Der vordere Teil fährt nach Hof, der hintere nach Bayreuth. Julian landete versehentlich im falschen Triebwagen.

Vom Bayreuther Bahnhof aus folgte er dem Weg, der für ihn am klarsten erkennbar schien. In der fremden Stadt lief er die Bahnhofstraße hinunter bis zum Annecy-Platz. Auf dem großen Verkehrsknotenpunkt gab es dann keinen deutlich sichtbaren Weg mehr, so dass Julian sich auf eine Bank setzte. Er begann darauf zu warten, dass ihn jemand abholt. Stundenlang.

Langsam wurde es Nacht. „Ich habe mich ein sehr gefürchtet und kaum geschlafen", erinnert sich Julian. Allerdings passte seine abweisende Mimik nicht zu seiner Gefühlslage. Sie ist Teil seiner autistischen Veranlagung, wobei man Menschen Autismus oft gar nicht ansieht. Das mag einer der Gründe sein, warum der junge Mann mit der Reisetasche niemandem auffiel, obwohl Leute vorbeikamen. Der 21-Jährige war nicht besonders warm bekleidet, denn eigentlich war ja nur eine Zugfahrt nach Hof geplant. Am Morgen des Karsamstag saß er immer noch auf seiner Bank, während man sich in Himmelkron immer größere Sorgen machte. Eine Suchaktion der Polizei verlief erfolglos.

Ein ganzer Tag verging noch, bis nach 28 Stunden auf der Bank am Abend ein Mann Julian ansprach. Er rief die Polizei. Schnell wurde klar, dass es sich um den vermissten jungen Mann aus Himmelkron handelt. Sanitäter brachten Julian in ein Krankenhaus, wo er über das Osterwochenende bleiben musste.

Inzwischen kann Julian über sein Abenteuer sogar ein bisschen lachen. Auf jeden Fall aber würde er sich gern bei dem Mann bedanken, der ihn aus seiner schwierigen Lage gerettet hat. Mit Hilfe der Bayreuther Polizei fanden der Kurier den Retter. Es ist Huu Phuoc Nguyen, der am Annecyplatz 1 einen Asia-Wok-Imbiss betreibt. Der 49-jährige Vietnamese sah einen jungen Mann, der teilnahmlos von früh bis abend  auf der Parkbank hinter seinem Imbiss saß. "Da kann etwas nicht stimmen", erzählte  Nguyen unserer Zeitung.

Der junge Mann sei vor Kälte blau im Gesicht gewesen und habe müde ausgeschaut. Er habe ihn gefragt, ob er Hunger oder Durst habe, doch der Unbekannte habe nicht reagiert. Die Sache sei ihm seltsam vorgekommen, schließlich habe er die Polizei angerufen, erzählt sein Retter. Bevor er abgeholt wurde, habe er dem Unbekannten gratis etwas zu essen und zu trinken gegeben. Für den Vietnamesen war die Hilfe selbstverständlich, großen Dank erwartet er dafür nicht.

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