21. Ausbildungsmesse Der Azubi: Begehrt wie nie

Das Rennen um die nächsten Auszubildenden hat begonnen: In der Oberfrankenhalle zeigt sich bei der 21. Ausbildungsmesse, dass die Unternehmen aus Stadt und Region größtes Interesse haben, die künftigen Schul-Absolventen für sich zu begeistern. Es mussten sogar Unternehmen abgewiesen werden.

Wie es um die Situation auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt bestellt ist, lässt sich am Samstag in der Oberfrankenhalle ablesen: Bei der 21. Ausbildungsmesse sind mehr als 140 Unternehmen, Institutionen, Schulen, Hochschulen am Start. Deutlich mehr als sonst. „Ich habe sogar böse Briefe von denen bekommen, die keinen Platz mehr bekommen haben“, sagt Dieter Scholl, der seit Anfang an für die Ausbildungsmesse verantwortlich zeichnet.

Professionelle Stände, großes Gerät

Die Unternehmen haben einiges aufgefahren: Hochprofessionelle Messestände, großes Gerät, das in der Halle und vor dem Haupteingang aufgebaut ist. Die Botschaft für die Schülerinnen und Schüler: „Wir wollen dich. Wir suchen dich.“ Kein Wunder, dass der Bayreuther Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU), der Schirmherr der Messe, bei der Eröffnung am Samstagmorgen, wenige Minuten bevor die Schüler in die Halle drängen, sagt: „Die Schülern stehen alle Türen offen. Noch nie hatten sie eine so große Auswahl an Arbeitsplätzen. Noch nie haben sich die Unternehmen so massiv um die Jugendlichen bemüht.“ Und schon lange nicht mehr seien „so viele anspruchsvolle Plätze unbesetzt“ – wie derzeit.

Direkt auf die Unternehmen zugehen

Es sei wichtig, sagt Ebersberger, dass die Jugendlichen „direkt auf die Unternehmen zugehen“. Und dass sie sich eine gute Einstellung zum Beruf zulegen. Dennoch sei die Entscheidung für den richtigen Beruf die grundlegend wichtige, die Information dafür könne man auf Messen wie dieser finden, sagt Ebersberger. Seine Botschaft an die Unternehmen: Es sei „wichtiges Ziel der Lokalpolitik, die Arbeitsplätze zu sichern und den Unternehmen zu helfen“ – auch hier gelte es, den direkten Draht zu nutzen. Zur Wirtschaftsförderung und zur Lokalpolitik. Um die jungen Menschen in und um Bayreuth zu halten.

Studium um des Studiums Willen ist der falsche Wege

Was Ebersberger allerdings auch sagt: „Studium nur um des Studiums Willen ist keine richtige Entscheidung.“ Aus seiner Erfahrung heraus könne er den Jugendlichen mitgeben: Wer sich im Handwerk oder in anderen Bereichen richtig einbringe und mit Spaß bei der Sache sei, der „verdient auch mehr als der durchschnittliche Akademiker“.

Was macht mir Spaß?

Von einer wichtigen Weichenstellung zum Ende der Schullaufbahn spricht der Landrat Florian Wiedemann (FW) – die sich aber im Vergleich zu früher grundlegend geändert habe: „Waren bis vor einiger Zeit die Stellen hart umkämpft, sind Auszubildende jetzt begehrt wie nie.“ Dennoch sei es wichtig, dass die jungen Menschen die Entscheidung, in welche Richtung sie die Weiche für ihren späteren Lebensweg stellen, „nicht leichtfertig treffen“, sagt Wiedemann. Ganz oben sollten zwei Fragen stehen: „Was macht mir Spaß? Worin bin ich gut?“

Junge Frauen fürs Handwerk begeistern

Hier zu unterstützen, ist zum Beispiel Aufgabe von Corinna Lange, die Talent-Scoutin der Handwerkskammer für Oberfranken. Wie sie am Samstagmorgen im Gespräch mit unserer Zeitung sagt, zielt ihr Pilotprojekt, das seit Januar diesen Jahres und noch bis Oktober 2023 läuft, darauf ab, jungen Frauen Lust aufs Handwerk zu machen, „Kurs zu nehmen aufs Handwerk“, wie die 37-Jährige Raumausstatter-Meisterin sagt, die auch bereits 16 Jahre als Requisiteurin am Theater gearbeitet hat.

Klischeefreiheit ist wichtig

„Klischeefreiheit ist wichtig“, sagt Corinna Lange, die gerne mit Beispielen arbeitet, um jungen Frauen die Sorge zu nehmen, dass sie auch in Berufen erfolgreich sein können, die seit Jahrzehnten eher männlich besetzt sind: „Ich kenne zum Beispiel eine Maurerin, die ist 1,63 groß und wiegt 50 Kilo. Die kann das genauso gut wie die Männer“, sagt sie. Neben bislang typisch weiblichen Handwerksberufen wie Konditorin schiebe sich inzwischen unter anderem das Tischler-Handwerk nach vorne – aber was spreche gegen deutlich mehr Dachdeckerinnen, Schreinerinnen, Malerinnen, fragt Lange.

Teil des Wandels sein

„Sei Teil des Wandels, versuche ich zu vermitteln. Das passiert auch“, sagt Corinna Lange, die durchaus eine Veränderung festgestellt hat: „Die jungen Leute heute denken schon anders als wir das mit 15 oder 16 getan haben“, sagt die 37-Jährige, die am Samstagmorgen parallel zur Messe auf Einladung der Frauen-Union Bayreuth-Land noch eine kurze Stippvisite bei Carolina Bange in Eckersdorf macht. Die junge Meisterin hat das Traditionsunternehmen Parkett Popp übernommen und sei „ein super Vorbild“, wie Lange sagt, „um durch Vormachen den Wandel anzustoßen“. Das sei gleichzeitig auch eine Stärkung für die jungen Frauen, die sich für das Handwerk bereits entschieden haben. „Zu zeigen, dass es cool ist, was sie machen.“

Trend zu Pflegeberufen

Die größte Messe dieser Art im weiten Umkreis mit den mehr als 140 Unternehmen zeige in mehreren Bereichen die Entwicklung, sagt Dieter Scholl: „Der soziale Bereich ist sehr stark vertreten.“ Gesundheitsberufe, Pflegeberufe. Auch Unternehmen, die ein duales Studium anbieten, seien zahlreich vertreten – um Theorie und Praxis bestmöglich aufs Unternehmen zuzuschneiden. Allerdings sagt Scholl auch: Erstmals hätten Unternehmen abgesagt, „weil sie nicht mehr ausbilden sollen“ – erste Zeichen der Krise.

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