2. Basketball-Bundesliga Bayreuther Playoff-Träume verblassen

Siegmund Dunker

Ein verheerendes zweites Viertel bringt den BBC in Göttingen früh auf die Verliererstraße. Auch eine Steigerung und ein starker Liedtke können die 70:93-Pleite nicht verhindern.

Sie traten nicht mehr als Abstiegskandidat an, aber in der ersten Halbzeit phasenweise wie ein solcher auf. Im Auswärtsspiel bei der BG Göttingen blieben die Pro-A-Basketballer des BBC Bayreuth lange den Beweis schuldig, dass sie nach dem erfolgreichen Klassenerhalt noch für höhere Ziele befähigt sind. Nach der 70:93 (26:48)-Niederlage lassen sich nicht mehr viele Argumente für einen Angriff auf die Playoffs finden.

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Wochenlang waren die Bayreuther Basketballer dem Klassenerhalt hinterhergerannt und entwickelten jene Dringlichkeit in ihrem Spiel, die man über viele Phasen der Saison vermisst hatte. Viel früher als erwartet, nach dem überzeugenden 91:86-Heimsieg gegen Bremerhaven, gelangten sie an ihr Ziel. Man spürte, wie viel Energie sie in diese Mission gesteckt hatten und wie diese Last plötzlich abfiel.

Ausgelassen tanzten sie auf dem Parkett der Oberfrankenhalle, und die Herzen der Bayreuther Fans flogen ihnen zu. Diese Momente bleiben in Erinnerung, aber sie offenbarten bereits einen Fallstrick: Plötzlich benötigte der BBC ein neues Ziel, um nach dem Serotoninrausch nicht in ein emotionales Loch zu fallen. Dass die Playoff-Plätze plötzlich wieder in Sichtweite lagen, traf sich daher gut.

Allerdings zeigte sich in Göttingen schnell, dass die Bayreuther nicht jenes Energieniveau abrufen können, das der Abstiegskampf zuvor freigesetzt hatte. „Wir waren nicht bereit, auch nicht physisch genug“, kommentierte der mit 17 Punkten erfolgreichste BBC-Werfer Lenny Liedtke die erste Halbzeit, als sein Team bereits aussichtslos in Rückstand geriet.

Brandwijk-Dunking bringt die erste Führung

Dabei starteten die Gäste durchaus verheißungsvoll ins Spiel. Sie ließen den Ball gut laufen und führten nach einem Dunking von Willem Brandwijk mit 10:8 (4. Minute). Der flotte Start überdeckte, dass dem BBC von Anfang an die Intensität in der Defensive fehlte. Immer wieder konnten die Göttinger mühelos in die Zone ziehen, und als ihre Trefferquote stieg, setzten sie sich mit einem 9:0-Lauf auf 17:10 (6.) ab.

Die Einwechslung von Leroy Ikejiaku als Ringbeschützer brachte dann zwar etwas mehr Stabilität, doch profitieren konnten die Bayreuther davon nicht, weil sie ihre spielerische Linie einbüßten und sich alleine in den ersten neun Minuten sechs Ballverluste leisteten. Zu Beginn des zweiten Viertels keimte zwar kurzzeitig Hoffnung auf, als Brandwijk per Dreier auf 20:21 verkürzte, doch in der Folge brachen beim BBC alle Dämme.

Mit einem 12:0-Lauf zogen die Niedersachsen auf 33:20 davon und dürften sich selbst gewundert haben, wie unbehelligt sie von der Dreierlinie abdrücken konnten. Ein kurzes Aufbäumen der Gäste beantwortete der Tabellendritte mit einem weiteren 13:0-Lauf zum 46:24 (19.). Die Bayreuther versteiften sich in dieser Phase zu sehr auf Dreipunktwürfe, obwohl die Trefferquote desolat war. Zur Pause hatten sie mehr Airballs (drei) als Treffer von jenseits der 6,75-Meter Linie (zwei) verzeichnet. Bei den zuletzt schwächelnden Göttingern konnte man hingegen zusehen, wie das ramponierte Selbstbewusstsein minütlich wuchs.

Wer nun ein Debakel befürchtete, konnte nach dem Wechsel aber immerhin schnell aufatmen, denn der BBC erzwang plötzlich eine ausgeglichene Partie, die nicht alleine auf das Nachlassen der Gastgeber zurückzuführen war. Die Struktur im Angriff kehrte zurück, die Körpersprache und Kommunikation signalisierten, dass der erfolgreich bewältigte Abstiegskampf das Team noch enger zusammenrücken ließ.

Liedtke punktet zum achten Mal in Folge zweistellig

Vor allem Liedtke übernahm nun die Verantwortung und unterstrich dabei nicht nur seine herausragende Form, sondern seinen Status als talentiertester Spieler des BBC. Der 22-Jährige strahlte sowohl beim Drive zum Korb als auch von der Dreierlinie Gefahr aus. Zum achten Mal in Folge punktete der 22-Jährige zweistellig, außerdem tat er sich als Kämpfer unter den Körben mit vier Offensivrebounds hervor. Dass sein Vertrag noch bis 2027 läuft, ist ein Glücksfall für diesen Klub.

Trotz der Leistungssteigerung des BBC hatten die Göttinger die Partie aber sicher im Griff. Zwar verkürzte Rayshawn Mart Mitte des letzten Viertels noch einmal auf 63:76, doch das genügte nicht, um bei den Gastgebern Nervosität aufkommen zu lassen. In der Schlussphase schraubten sie das Ergebnis noch deutlich nach oben. „Göttingen hat sehr erwachsen und solide gespielt“, zollte BBC-Trainer Lukas Hofer dem Gegner Respekt und fokussierte sich bei der Beurteilung der Leistung seiner Mannschaft auf das Positive: „Ich bin stolz darauf, wie wir in der zweiten Halbzeit weitergespielt und weitergekämpft haben.

 Mit ein bisschen mehr Wurfglück hätten wir das Spiel noch etwas knapper gestalten können.“ Aus dieser dezidiert sonnigen Betrachtungsweise spricht auch das Bemühen, die gute Stimmung aufrechtzuerhalten. Die Playoffs als schöne Zugabe eines starken Saisonendspurts sind indes drei Spieltage noch etwas unrealistischer geworden. Der BBC müsste dafür noch vier Teams überflügeln.

BG Göttingen: Sears (13 Punkte), KIRCHNER (5/1 Dreier), Haase, Drescher (5/1), Lodders (3), Nguyen, MÖNNINGHOFF(12/3), JÜNEMANN (11), JACKSON (21/4), DREAMER (14/3), Böhmer (9/1).

BBC Bayreuth: Sturdivant (3 Punkte), Horn (6/2 Dreier), MART (10), RAHMING (3), Ikejiaku (10), ALLEN (10/3), Zeisberger, BRANDWIJK (11/1), Nauthon, LIEDTKE (17/2).