Der iranische Barbesitzer Ali A. hatte die Frau aus Slowenien, die zum Arbeiten in Deutschland ist, am gleichen Abend in der Disco kennengelernt, sie hatten sich bei ihm verabredet. In seiner Wohnung über der Shisha-Bar im Kreuz soll es zu dem Verbrechen gekommen sein. Beide hatten viel Alkohol getrunken, das bestätigt ein Gerichtssprecher. Allerdings sollen sie noch Herr ihrer Sinne gewesen sein.

Die Frau hat sich nach eigenen Angaben heftig zur Wehr gesetzt, als Ali A. gegen 4 Uhr in jener Sonntagnacht im Januar zudringlich wurde. „Don’t touch me“, soll sie gerufen haben, „berühr mich nicht!“ Auch körperlich soll sie sich gegen ihren mutmaßlichen Vergewaltiger zur Wehr gesetzt haben. Sie schlägt, sie kratzt, sie schreit – aber A. ließ nicht ab von ihr. „Typische Abwehrverletzungen“, sagt ein am Verfahren Beteiligter. Besonders perfide: A. soll vorher einen Freund angerufen haben und ihm Sex mit der Frau angeboten haben.

Was die Staatsanwaltschaft herausgefunden hat, bestätigt im Nachhinein die Recherchen des Kuriers. Demnach hat Mohammed Khan (23), ein Bekannter von Ali A., diesen in jener Nacht angerufen. Und am Telefon die Hilfeschreie einer Frau gehört. „Help me, help me“, schrie sie, „hilf mir, hilf mir“.

„Es waren wirklich Schreie, die will man nicht hören“, sagte im Januar Mohammed Khan zum Kurier. Sie habe laut geschrien, „ich war geschockt“. Er sagt, es seien „erschreckende Schreie“ gewesen.

Khan rannte aus einer Disco die wenigen hundert Meter zu der Wohnung im Kreuz, schlug die Scheibe einer Tür ein und verschaffte sich so Zutritt. Er rannte in die Wohnung im ersten Stock und sah nach eigenen Angaben, wie A. gebückt vor der Frau stand, die halb entkleidet war. Khan kam dennoch zu spät, riss aber den mutmaßlichen Vergewaltiger von der Frau und schlug ihn.

 A. entkam, wurde wenige Stunden später widerstandslos vor seiner Bar festgenommen, als er mit seinen beiden Hunden Gassi ging. Ein Zeuge sagte gegenüber dem Kurier, dass A. aus seinem Mund geblutet habe, sein Kiefer geschwollen gewesen sei und er hat Kratzspuren im Gesicht gehabt habe.

A. landete am nächsten Tag bis jetzt in Untersuchungshaft. In dem Haus waren zum Zeitpunkt der Tat noch zwei andere Männer – angeklagt ist allerdings nur A. Einer von ihnen soll die Frau unsittlich berührt haben, bevor es zu der angeblichen Vergewaltigung gekommen ist. Es war nach den Ermittlungen also nicht zu einer Gruppenvergewaltigung mit vier Männern gekommen, wie anfangs von Polizei und Staatsanwaltschaft vermutet.

Die Verhandlung ist für neun Tage angesetzt. Insgesamt sind 19 Zeugen und ein Sachverständiger geladen. Dem Angeklagten A. droht wegen des besonders schweren Falles eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren. Ein Urteil kann noch im Dezember fallen.