18. Februar im Zentrum Kurier-Fasching: Die Legende lebt

Der Kurier-Fasching hat über Jahre hinweg als feste Konstante im närrischen Treiben am Rosenmontag die Stadthalle voll gemacht: 2000 Menschen, die begeistert durch die Räume tanzten. Jetzt kommt der Fasching nach 15 Jahren Pause zurück.

Fasching in Bayreuth, das war über Jahrzehnte auch und gerade: der Presseball, der dann zum Kurier-Fasching geworden ist. Die Veranstaltung hat sich mehr oder weniger vom Start weg das Prädikat legendär verdient. Nachdem sich die Rahmenbedingungen mit den Jahren geändert haben, gab es am 4. Februar 2008 den Kurier-Fasching zum letzten Mal. Jetzt kommt die Neuauflage. Mit ganz neuen Vorzeichen und Ideen.

Wieder aus der Kiste gekramt

Einer, der über viele Jahre beim Original-Fasching mit dabei ist, hat ihn jetzt wieder aus der Kiste gekramt: Michael Angerer von der Veranstaltungsagentur Nord-Süd-Programm. Zusammen mit Christiane Colditz hat er die Idee geboren, dem Kurier-Fasching das Laufen wieder beizubringen. Das Tanzen und das Feiern ebenso. Am 18. Februar wird es soweit sein, diesmal allerdings an einem neuen Ort: im Zentrum an der äußeren Badstraße.

„Über die Pandemie hinweg gab es keinen Fasching. Die Leute haben wieder Lust zum Feiern. Deswegen haben wir uns gesagt, das sollten wir wieder aufleben lassen – was natürlich nur mit einem starken Parther funktioniert“, sagt Michael Angerer am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung. Vor drei, vier Wochen erst habe es die Initialzündung für das Projekt gegeben, jetzt steht das Konzept, das tatsächlich das Feiern, die Musik und die Gaudi – natürlich inklusive der ebenso legendären Masken-Prämierung – in den Vordergrund stellt.

Fasching zum Feiern

„Die Faschingsgesellschaft Schwarz-Weiß kommt vorbei, um das Thema Fasching zu spielen, klar“, sagen Angerer und Colditz. „Matze Heider wird an diesem Abend auflegen, Donald Kirkland bespielt die Bar.“ Aber es werde „auf jeden Fall kein Gardetanz- oder Prinzenpaar-Event, sondern ein richtiger Fasching zum Feiern“, sagt Colditz.

Ein Beleg dafür, dass die Bayreuther wieder auf die Tanzflächen drängen, dass sie Lust haben, zusammen zu feiern, sind die 80er-Partys, die Angerer zusammen mit Jürgen Maisel im Frisco aus der Taufe gehoben hat. Binnen weniger Stunden ausverkauft – „mit einem Schwarzmarkt, Karte für 100 Euro bei acht Euro Eintritt – das muss man sich mal vorstellen“, sagt Angerer.

2000 Karten in zwei Stunden weg

In den 90er Jahren hatte der Kurier-Fasching eben diese Magnetwirkung: „Der Rekord war, dass die 2000 Karten in zwei Stunden weg waren“, erinnert sich Angerer. Die Stadthalle rappelvoll, im Großen Haus zauberte eine Live-Band auf, in jedem anderen Saal stand ein DJ an den Plattentellern. „Jahr für Jahr war das echt ein Riesen-Erfolg, sagt Karl Heinz Lammel, der zusammen mit Klaus Tritschel über Jahrzehnte als Foto-Redakteur – und damit natürlich auch beim Fasching – im Einsatz war. Und mehr als ein Mal „leerte sich die Stadthalle am Morgen erst, als es wieder hell geworden ist. Das Programm war immer toll, das war eine super Zeit damals“, erinnert sich Lammel.

In kurzer Zeit aus dem Boden gestampft

Auch daran, dass der Fasching, der 1987 zusammen mit der Stadt unter Regie von Verkehrsdirektor Jo Schumacher sehr eilig aus der Taufe gehoben worden war, weileine große Faschingsveranstaltung am Rosenmontag sehr kurzfristig ausgefallen war, natürlich für die Zeitung selbst immer Großkampftag war. „Um Mitternacht haben wir immer ganz eilig eine frisch gedruckte Zeitung herausgegeben.“ Mit Fotos vom Abend, was zur analogen Zeit mit Film-Entwicklung alles andere als einfach war. Und meistens dazu geführt hat, „dass die Zeitung ganz schnell Konfetti wurde und dann in der ganzen Stadthalle herumlag“, wie sich Lammel mit einem Lachen erinnert.

Plötzlich war das Auto unterm Schnee verschwunden

Diese Faschings-Zeitung war auch der Grund, warum der Fotograf bei einem dieser Rosenmontags-Bälle sein Auto nicht mehr gefunden hat: „Ich musste an dem Abend drei oder vier Mal zurück in die Redaktion. Und irgendwann hat es dann angefangen zu schneien. Am nächsten Morgen lag 20 Zentimeter Schnee auf den Autos auf dem oberen Parkdeck – da haben einige ganz schön gesucht. Und meins stand in der kleinen Seitenstraße, dort habe ich es endlich entdeckt.“

Der Faschings-Dienstag wurde mehr und mehr zum Arbeitstag

Dass der Kurier-Fasching irgendwann an Attraktivität verlor und schließlich 2008 fürs Erste auslief, lag „an beruflichen und wirtschaftlichen Veränderungen“, sagt Angerer. „Die Leute mussten am Faschings-Dienstag früh wieder ran, mussten arbeiten. Das hatte sich immer mehr gedreht. Viele sind dann schon schon um 1 Uhr wieder gegangen“ – wo früher die Stimmung erst ihren Siedepunkt erreichte. Deshalb findet der Neustart auch am Faschingssamstag statt. „Sozusagen als Warm-up für den großen Faschings-Umzug in der Bayreuther Innenstadt“, wie Angerer sagt.

Der Renner schlechthin

Jo Schumacher sagt am Montag, dass es durchaus ein Schock gewesen sei, als die Bürgerresource der Stadt mitgeteilt hatte, dass das Risiko für die Veranstalter zu groß werde, den Rosenmontagsball zu stemmen: „Bei einem Dämmerschoppen mit dem Faschingspräsidenten Werner Rüger wurde die Idee geboren, das zusammen mit er Presse zu machen“, sagt Schumacher.

Schnell sei nicht nur der damalige Kurier-Lokalchef Dieter Hartung ins Boot geholt worden, auch Schumacher überzeugt seinen Chef, Oberbürgermeister Hans Walter Wild. „Aber das Ding war natürlich verpflichtet, ein Erfolg zu werden, deshalb haben wir drum herum auch eine Tombola gebaut mit einem attraktiven Preis: Einem Freiflug zum Karneval nach Rio“, erinnert sich Schumacher. „Ja“, sagt er, „da steckte immer viel Herzblut drin. Und der Presseball war ja über lange Zeit der Renner schlechthin.“

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