15 Mediziner haben sich zusammengeschlossen und wollen die Versorgung der Patienten verbessern Ein Ärztenetz für die Region Bayreuth

Von Moritz Kircher

Sie sind unzufrieden mit der Bevormundung durch Verbände und mit schlecht organisierten Abläufen bei der Behandlung von Patienten. Deshalb haben 15 niedergelassene Mediziner aus Weidenberg, Bad Berneck, Goldkronach und Bayreuth den Verein "Zusammenschluss ambulanter Medizin" (ZAM) gegründet. Innerhalb von drei Jahren wollen sie nun ein Ärztenetz auf die Beine stellen, das eine effektivere Versorgung von Patienten gewährleistet.

Die beiden Weidenberger Hausärzte Michael Müller (links) und Stefan Hülper sind Gründer eines regionalen Ärztenetzes. Sie wollen die Versorgung der Patienten und die Koordination zwischen den Fachärzten sowie zwischen Fachärzten und Kliniken verbessern. Foto: red

"Es heißt immer, die da oben machen etwas, aber man selbst kann nichts bewegen", sagt Stefan Hülper. Gemeinsam mit Michael Müller führt er eine Hausarztpraxis in Weidenberg. Es war ihre Idee, das Ärztenetz ins Leben zu rufen. Denn, so Hülper: "Wir können sehr wohl etwas bewegen."

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Diese Aussage ist nicht aus der Luft gegriffen. Die beiden Mediziner haben einen Blick über die Grenzen des Landkreises hinaus geworfen. Im Umland gebe es zahlreiche Beispiele funktionierender Ärztenetze. Hof, Bamberg und nicht zuletzt Forchheim, wo auch die ein oder andere Praxis aus dem südlichen Bayreuther Landkreis organisiert ist.

"Unsere Grundhausaufgabe ist, die Ärzte überhaupt miteinander bekannt zu machen", sagt Sabine Kramp. Sie ist Geschäftsführerin des Forchheimer Ärztenetzes "Unternehmung Gesundheit Franken". Seit rund einem Jahrzehnt arbeiten Kliniken und Praxen dort schon zusammen. Schnellere Termine bei Fachärzten, zügiger Austausch von Befunden, Fortbildungen für Ärzte und Arzthelferinnen und eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber Kassen und Verbänden - das sind laut Kramp die wichtigsten Vorteile des Netzes.

Einiges gefällt den beiden Hausärzten nicht

Das große Rad kann und will man beim ZAM nicht drehen. Nichtsdestotrotz gibt es einiges, was den beiden Hausärzten "da oben" nicht gefällt. Vor allem die Bedarfsplanung in der Versorgung der Bevölkerung mit niedergelassenen Ärzten ist Müller ein Dorn im Auge. "Gefühlt und real" sei der Ärztemangel da. Der demografische Wandel werde "die schwachsinnige Bedarfsplanung relativ schnell pulverisieren", so der Mediziner.

Doch die Woge an älter werdenden Patienten wollen die beiden nicht einfach so auf sich zurollen lassen. Und da kommt das Ärztenetz ins Spiel, das Müller als "Gegenmacht zum Funktionärsunwesen in den Verbänden" verstanden wissen will. Ziel des ZAM sei, eine "effektivere und bessere Versorgung der Patienten in der Region" zu gewährleisten. Dass das gehen kann, zeigen laut Müller und Hülper die Beispiele aus dem umliegenden Landkreisen.

"Den Einzelkämpfer auf dem Land, den Rund-um-die-Uhr-Hausarzt, wird es nicht mehr geben." Da ist sich Müller sicher. Deshalb will er mit dem Ärztenetz "den Job attraktiver machen". Er sagt: "Wenn ein Arzt weiß: Ich habe einen geregelten Feierabend, dann kommt er auch raus aufs Land." Urlaubs- und Krankheitsvertretungen organisieren, da sieht er Ansatzpunkte für seinen Verein.

Noch ist das alles Zukunftsmusik. Der ZAM sei "in der Frühstphase der Planung", so Hülper. Doch in wenigen Jahren soll es auch der Patient spüren, wenn er im Wartezimmer einer Netzarzt-Praxis sitzt. Müller: „Ich kriege doch nicht innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin, weil es der Herr Jens Spahn von der CDU bestimmt." Er ist sich jedoch sicher, dass ein gut funktionierendes regionales Ärztenetz schon dafür sorgen könnte.