Freiburg - Freiburgs Kunsttorschütze Jonathan Schmid hatte schon vor seinem sehenswerten Freistoßtreffer ein "gutes" Gefühl. "Ich habe gedacht, wenn ich richtig draufhaue, kann er reingehen", sagte der französische Mittelfeldspieler nach dem 1:0 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg.

Mit seinem Schuss aus rund 25 Metern sorgte Schmid in einer mauen Bundesliga-Partie mit nur wenigen Torchancen für den sportlichen Höhepunkt und für die späte Entscheidung in der 85. Minute.

"Ich wäre total zufrieden gewesen mit einem 0:0, da bin ich ehrlich", räumte SC-Trainer Christian Streich anschließend ein. Doch dank des ersten Heimsiegs des dienstältesten Bundesliga-Coaches gegen Wolfsburg hält der SC Freiburg auch nach dem 14. Spieltag den Anschluss an die Spitzengruppe und steht mit 25 Punkten sogar einen Zähler erfolgreicher da als der FC Bayern München. "Das ist eine Meldung im Jahrhundertbuch. Am 7. Dezember 2019 stand der SC Freiburg am 14. Spieltag mal, weil das ist ja Fakt, vor Bayern", sagte Streich, der über höhere Ziele nicht reden will. "Das ist schön für eine historische Nachbetrachtung."

Schmid hatte schon am vergangenen Wochenende einen Freistoß verwandelt, beim 2:4 bei Tabellenführer Borussia Mönchengladbach brachte das aber keine Punkte ein. Vor 23.800 Zuschauern im Schwarzwald-Stadion glückte ihm nun das achte direkte Freistoß-Tor seiner Karriere - so viele gelangen keinem anderen aktiven Profi der Fußball-Bundesliga. "Natürlich freue ich mich, aber das Wichtigste ist, dass wir gewonnen haben", sagte Schmid, nachdem er für den ersten Freiburger Heimsieg gegen die Wölfe seit dem Sommer 2011 gesorgt hatte. In der ersten Halbzeit hatte der 29-Jährige mit einem Freistoß VfL-Torhüter Koen Casteels noch vor keine Probleme stellen können (32).

Kurz vor dem einzigen Treffer der Partie hatten die Wolfsburger durch Wout Weghorst eine große Chance vergeben (82.). William verpasste später noch den Ausgleich. "Wir haben ganz wenig zugelassen", lobte Streich insbesondere die Defensivarbeit seiner Breisgauer.

Die erste Hälfte war geprägt von intensiven Zweikämpfen und zahlreichen Fehlpässen auf beiden Seiten. In den Strafräumen passierte wenig, Spielfluss kam nur selten zustande. Im Vergleich zum 2:4 in Gladbach hatte Streich Nationalspieler Robin Koch aus dem Mittelfeld in die Abwehrreihe zurückgezogen und damit die Defensive gestärkt. Ohnehin zählen beide Mannschaften zu den defensivstärksten der Liga. Kein Team hat zu Hause weniger Treffer kassiert als der SC, auswärts steht Wolfsburg in dieser Kategorie auf Platz eins.

Nach dem Wechsel kamen die Freiburger etwas besser ins Spiel und hatten sich den Treffer eher verdient. Streichs Wolfsburger Trainer-Kollege Oliver Glasner kritisierte im Anschluss die Leistung seiner Elf. "Ich bin mit unserem Auftritt überhaupt nicht zufrieden, weil wir - und das nicht zum ersten Mal in dieser Saison - oft nicht bereit sind, an unsere Leistungsgrenze zu gehen", sagte der Österreicher. "Ich finde das schade, wir machen uns das Leben dadurch oft selber schwer." Viermal haben die Niedersachsen in den vergangenen fünf Partien nun verloren.