12 342 Fälle des Diebstahls im vergangenen Jahr in Oberfranken Diebe klauen Brillen, Parfum und Rußfilter

Von Sonny Adam

Diebe werden immer dreister. Das muss auch das Polizeipräsidium Oberfranken feststellen. In den vergangenen Monaten häufen sich die Fälle: Reifen, Werkzeuge, Autoteile und Parfums. Diebe haben offenbar für alles Verwendung. Der Ärger für die Betroffenen ist groß, die Schäden gehen in Millionenhöhe.

Der kaufmännische Leiter von Frankia – Michael Albl – war über die Frechheit, mit denen die Diebe zu Werke gegangen sind, schockiert: Sie haben einfach den Maschendrahtzaun durchschnitten und bauten 17 Dieselpartikelfilter in aller Seelenruhe aus. Bemerkt wurde der Diebstahl erst, als die Fahrzeuge zur weiteren Montage in die Halle gefahren werden sollten. Foto: Sonny Adam Foto: red

Aus einer Werkzeughalle in der Weiherstraße in Bayreuth sind am Wochenende hochwertige Werkzeuge gestohlen worden. Die Beute hat einen Wert im vierstelligen Bereich. In Bamberg wurde am Wochenende sogar ein kompletter Sattelzug aus dem Industriegebiet „Am Börsig“ entwendet – inklusive eines Containers mit Plastikmüll, der eigentlich entsorgt werden sollte. Sachschaden rund 90 000 Euro.

Nach der Werbung weiterlesen

Die Reihe setzt sich fort: Am Wochenende klauten Diebe ebenfalls einen Lieferwagen mit Pritschenladefläche von einem Firmengelände in der Bindlacher Straße in Bayreuth. Und in Gundelsheim im Landkreis Bamberg wurde ein weiterer Lieferwagen gestohlen. Doch das sind einige Beispiele. Allein im vergangenen Jahr nahm die Polizei in Oberfranken 12.333 Fälle des Diebstahls auf.

Bei Frankia durch den Zaun

Zu einem besonders dreisten Diebstahl kam es beim Wohnmobilhersteller Frankia in Marktschorgast. Dort bauten Diebe übers Wochenende aus 17 Fahrzeugen die Dieselpartikelfilter aus. „Wir haben das erst gemerkt, als wir die Autos starten wollten“, sagt Michael Kauper von der Qualitätssicherung bei Frankia. Der Sachschaden beläuft sich auf mehr als 45.000 Euro. Frankia hat sofort reagiert. Eine Videoanlage überwacht inzwischen das Firmengelände.

Großteil bei Autos und Fahrrädern

Allein im zurückliegenden Jahr entstand durch Diebstahl ein Schaden von mehr als 9,6 Millionen Euro. „Der Anteil der einfachen Diebstähle liegt bei 8.660 Fällen, der Anteil der schweren Diebstähle beträgt 3.682 Fälle“, sagt Dominik Salosnig von der Pressestelle des Polizeipräsidiums. Den zahlenmäßig größten Anteil an der Diebstahlskriminalität nähmen Ladendiebstähle ein – ihr Anteil liege bei 20 Prozent. Der Anteil der Auto- und Fahrraddelikte schlage mit 22 Prozent zu Buche. „Gestohlen wird grundsätzlich alles, wonach sich eine gewisse Nachfrage oder ein persönlicher Bedarf richtet. Dies können finanziell interessante Gegenstände ebenso sein, wie auch Dinge des alltäglichen Gebrauchs“, erklärt Salosnig.

Hehlerware im Internet

Eine Hitliste lasse sich nicht erstellen. Doch von teuren Parfums über Brillengestellen zu Rasierklingen und Autoreifen: In jüngster Zeit klauten Diebe fast alles. Die Polizei weiß, dass die Diebe vielfältige Verkaufswege nutzen. Die Hehlerware werde im Internet oder im persönlichen Bereich verkauft. „Darüber hinaus gibt es sicherlich auch Auftragsdiebstähle, bei denen bestimmte Waren bestellt werden“, so Salosnig. Doch obwohl die Polizei auch im Internet recherchiert, werden nur 42,2 Prozent aller Diebstahlsdelikte aufgeklärt.

Zwei Fahndungserfolge machen Schlagzeilen

Zwei Fahndungserfolge allerdings gingen in den letzten Tagen durch die Schlagzeilen: Auf der A 9 nahm die Polizei zwei Männer aus Polen nach einem Autoteilediebstahl in Bayreuth fest. In Hof stellte eine Zivilstreife zwei Polen, als sie versuchten, Kompletträder im Wert von 40.000 Euro zu stehlen. Doch das ist nur ein Bruchteil der Täter. Die meisten der Täter sind noch auf freiem Fuß. Übrigens ereignen sich die meisten Diebstähle nachts oder am Wochenende – zumindest im gewerblichen Bereich.