100 Prozent für Zippel SPD kürt ihren Oberbürgermeisterkandidaten

Von Andreas Gewinner
 Foto: Valentin Tischer

BAYREUTH. Die SPD legt vor. Und schickt ihren Kandidaten für den Oberbürgermeister mit 100 Prozent Zustimmung ins Rennen. Der erklärt zuvor, was der Flug zum Mond mit dem Regieren einer Stadt zu tun hat. Und warum seine relative Jugend ein Vorteil ist.

Bayreuth, das Oberbürgermeisteramt und die SPD. Das gehörte mehr als ein halbes Jahrhundert zusammen, insbesondere in Person von Hans-Walter Wild (1958-88) und Dieter Mronz (1988-2006). Letzterer war auch als Delegierter bei der Nominierungsversammlung am Sonntagmorgen in der Brennerei von Maisels Biererlebniswelt dabei.
An diese Tradition will die SPD anknüpfen, nach sechs Jahren Hohl (CSU) und dann acht Jahren Merk-Erbe (BG). Dazu setzen die Bayreuther Sozialdemokraten auf einen scheinbaren Außenseiter, einen 27-jährigen Mittelfranken. Die Personalie hatte die SPD selbst schon vergangenen Freitag per Pressemitteilung öffentlich gemacht: Andreas Zippel, Wirtschaftsjurist und Doktorand an der Universität Bayreuth, seit 2013 SPD-Mitglied. Laut Halil Tasdelen, SPD-Stadtverbandsvorsitzender, will man mit der Personalie auch "die Erneuerung der SPD auch in Bayreuth durchsetzen".

Kennedy als Inspiration

John F. Kennedy ist auch mehr als 50 Jahre nach seinem Tod noch ein beliebter Bezugspunkt und Zitatgeber für Politiker. Doch Andreas Zippel stellte an den Anfang seiner rund 45-minütigen Bewerbungsrede nicht das bekannteste Zitat ("Frage nicht, was dein Land für dich tun kann..."). Sondern er wählte Kennedys Ankündigung, bis Ende der 1960er Menschen auf den Mond und sicher wieder zurückzubringen - "nicht weil es leicht ist, sondern weil es schwer ist." Von einem Zitat eines SPD-Politikers indes distanzierte sich Zippel, nämlich Helmut Schmidts "Wer Visionen hat, soll zum Arzt".
Das angebliche Fehlen eines Plans, von Ideen für die Zukunft Bayreuths war denn auch der rote Faden in Zippels Bewerbungsrede. Bayreuth habe viele Chancen und Möglichkeiten, die aber nicht ausgeschöpft würden. So seien andere Städte in Oberfranken schon weiter, wenn es gelte, mit Innovationszentren örtliche Hochschulabsolventen in der Stadt zu halten.

Wohnen und Mobilität - Zukunftsthemen

Wohnen und Mobilität sind weitere Zukunftsthemen Zippels. Weil Wohnen zu den elementarsten Bedürfnissen des Menschen gehört. Die Innenstadtnachverdichtung komme in einer Stadt wie Bayreuth an ihre Grenzen; stattdessen wäre es besser, Leerstand anzugehen und zu nutzen. Zu einem großen Bayreuther Reizthema auf diesem Feld, den Bebauungsplänen für den Eichelberg, äußerte sich Zippel nicht.
Beim Thema Mobilität brachte Zippel ein Sozialticket beziehungsweise kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr ins Gespräch. Was ihm fehlt in Bayreuth, sind intelligente Angebote für geteilte Mobilität, wie etwas ein E-Roller-Angebot, dass es in Bamberg, Bayreuths ewiger Rivalin, bereits gibt.
Um die Bürger bei den Zukunftsvorhaben mitzunehmen, plant Zippel Zukunftsforen und will auf seiner Internetseite ein Ideenportal einrichten.
"Bayreuth ist meine Heimat geworden", sagte Zippel, dass sei, neben einem beruflichen Angebot, auch Grund gewesen, dass er nach seinem Staatsexamen der Stadt treu geblieben ist. Und Zippel hatte ein schlagendes Argument, warum ein 27-Jähriger ein guter Oberbürgermeister wäre: "Ich werde die Folgen meiner Arbeit noch erleben und zu spüren bekommen."

Einstimmiges Ergebnis

Für seine Rede bekam Zippel minutenlangen stehenden Applaus. Und danach alle Stimmen der 38 anwesenden Delegierten. Indes: Der Stadtverband hat 48 Delegierte, zehn waren nicht gekommen und hatten auch keine Vertreter geschickt.
Zippel ist der erste erklärte Kandidat im Kampf um den Oberbürgermeisterposten. Die CSU hält sich noch bedeckt, ebenso wie Amtsinhaberin Brigitte Merk-Erbe (BG), die noch nicht erklärt hat, ob sie zur Wiederwahl antritt.

 

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