100 Jahre BHG AG Mit Baustoffen fing alles an

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BHG – das sagt nicht jedem etwas. Aber die Hagebaumärkte, die kennen die meisten. Betrieben werden diese in der Region von der Baumaterialien-Handelsgesellschaft AG – eben der BHG. Als AG gegründet wurde das Unternehmen vor 100 Jahren in Bayreuth.

Bayreuth - Parallelen gibt es schon. Sechs Bayreuther Bauunternehmer taten sich 1921 zusammen, um eine günstige Einkaufsquelle für Baustoffe zu schaffen. Heute, nach einer teils wechselvollen Unternehmensgeschichte, sind es wieder sechs Gesellschafter, denen die BHG über die gemeinsame B. u. B. Süd-Ostbayern GmbH und Co. KG gehört. Angefangen hat alles mit 2500 Quadratmetern in der Friedrich-von-Schiller-Straße. Heute steht dort ein Wohnhaus.

Größter Markt in Bayreuth

Doch der größte BHG-Standort ist nur wenige Hundert Meter entfernt: Der Hagebaumarkt mit Baustoffzentrum auf dem Gelände der früheren Spinnerei. 43.500 Quadratmeter Grund und 12.400 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen hier zur Verfügung, sagt Vorstandsvorsitzender Markus Baum.

Nicht nur wegen seiner Größe hat der Standort innerhalb der BHG eine Sonderrolle. Er ist der einzige Kombistandort mit Einzel- und Baustoffhandel. Und er beherbergt auch die Verwaltung, sodass rund 190 der insgesamt gut 450 BHG-Mitarbeiter der Gruppe hier ihren Arbeitsplatz haben. Die übrigen arbeiten in den ebenfalls als Franchise betriebenen Hagebaumärkten in Münchberg, Marktredwitz, Kemnath, Weiden, Amberg, Regenstauf und Schwandorf sowie dem Bauzentrum in Kulmbach.

100 Millionen Euro Umsatz

Dass die BHG ein so großes und auch florierendes Unternehmen wird, das im vergangenen Jahr erstmals die Schallgrenze von 100 Millionen Euro Umsatz geknackt hat, war mehrmals eher unwahrscheinlich. 1945 etwa, als das Firmengelände nach Bombenangriffen der Alliierten auf die Bahnhofsgegend in Schutt und Asche lag. Oder 1976 bei einer schweren Explosion im firmeneigenen Ziegelwerk in Mistelgau. Oder als es in den 1980er-Jahren zu finanziellen Schwierigkeiten kommt.

Entscheidende Weichenstellungen

Die werden durch mehrere weitreichende Entscheidungen überwunden, erinnert sich Baum, der selber seit Ende 1988 im Unternehmen ist – der Konzentration auf das Handelsgeschäft mit der Auflösung der eigenen Fliesenverlegung und der Bauelemente-Montage sowie dem Beitritt zur Hagebau-Gruppe (beides 1989) sowie 1990 dem Verkauf des Ziegelwerks an die Firma Dehn Ziegel und der Übernahme der Aktienmehrheit durch die Luitpold Danhauser KG (Amberg) von der Schmidtbank.

Expandieren und investieren

„Entscheidend war, dass ab da wieder Branchenprofis am Werk waren“, sagt Baum. Das Unternehmen kommt wieder auf die Beine, expandiert und investiert. Es kommen neue Standorte hinzu, quasi im Jahresabstand wird saniert und ausgebaut. „In D-Mark gerechnet sind da wohl in zehn Jahren 100 Millionen zusammengekommen“, sagt Baum. Nur ein Highlight: der Umzug aus der Enge der Gravenreuther Straße in Bayreuth auf das Spinnereigelände. Der Standort Münchberg entsteht, Märkte in Marktredwitz und Wunsiedel werden aus einer Insolvenz übernommen. „Alles in zehn Tagen durchverhandelt“, sagt Baum.

Weitere Übernahmen möglich

Übernahmen kann sich der BHG-Chef auch in Zukunft vorstellen, nicht nur von Hagebau-Standorten, wie er betont. Was auch an der neuen Dynamik im Unternehmen nach der Übernahme durch die B. u. B. Süd-Ostbayern liege. 2019 war die Danhauser-Gruppe, die zusammen mit der BHG auf gut 640 Mitarbeiter und 175 Millionen Euro Umsatz kommt, plötzlich öffentlich auf die Suche nach einem Käufer gegangen. Letztlich setzten sich fünf Hagebau-Gesellschafter mit ihren Firmen Bauzentrum Mayer (Ingolstadt), Hans Batzner (Ebern), Segl Bauzentrum (Eging am See), Artinger & Ohneis (Neufahrn) und Schneider (Erlstätt) durch. Sechster Anteilseigner ist die Hagebau-Holding.

Herausforderung Corona

Für Baum quasi die Ideallösung: „Alles bleibt unter dem Hagebau-Dach. Das sind Profis, die sich verstehen und die Gas geben wollen.“ Auch wenn die Situation angesichts von Corona herausfordernd ist. Zwar profitierten die BHG und die Danhauser-Gruppe 2020 wie die gesamte Baumarkt-Branche trotz sechs Wochen Schließung vom Boom, der dadurch ausgelöst wurde, dass sich viele Menschen angesichts von Shutdown und Kontaktbeschränkungen den eigenen vier Wänden zuwandten. Doch das aktuelle Jahr ist schwieriger – wegen des noch längeren Lockdowns zu Jahresbeginn und des durchwachsenen Wetters.

Dennoch gehen Markus Baum und Co. zuversichtlich in die nächsten 100 Jahre. Die Jubiläumsfeiern sollen nächstes Jahr nachgeholt werden. „Wenn man hoffentlich wieder besser planen kann“, hofft Baum.

Stationen

-1921: Gründung der Baumaterialien-Handelsgesellschaft AG durch sechs Bayreuther Bauunternehmer in der Friedrich-von-Schiller-Straße 10. Am Güterbahnhof wird zudem ein Eisenlager unterhalten.

-1945: Schwere Bombenangriffe der Alliierten auf das Gebiet um den Bayreuther Bahnhof. Das Anwesen fällt in Schutt und Asche. Bei einem dieser Angriffe kommt der damalige Direktor Franz Taufer ums Leben. Auf dem Firmengelände werden 17 Bombentrichter gezählt. Mit dem Bürogebäude wird auch der Kassenschrank mit sämtlichen Unterlagen vernichtet. Anschließend Wiederaufbau.

-1977: Umzug in die Gravenreutherstraße, Eröffnung des Baumarktes.

-1989: Beitritt zur Hagebau; Auflösung der Fliesenverlegung und Bauelemente-Montage.

-1990: Verkauf des Ziegelwerks in Mistelgau an Dehn Ziegel. Die Luitpold Danhauser KG (Amberg) übernimmt von der Schmidtbank die Aktienmehrheit.

-1995: Eröffnung des Hagebaumarktes in Münchberg.

-1997: Umzug auf das ehemalige Spinnereigelände.

-2002: Übernahme der Märkte Marktredwitz und Wunsiedel (Schließung 2006) aus einer Insolvenz.

-2013: Eröffnung des Hagebaumarkts in Schwandorf.

-2015: Neubau in Marktredwitz für rund 14 Millionen Euro.

-2019: Übernahme der gesamten Danhauser-Gruppe inklusive der BHG durch die B u. B Süd-Ostbayern GmbH & Co. KG, ein Konsortium von Hagebau-Franchisenehmern.

-2021: Die BHG wird 100 und beschäftigt gut 450 Mitarbeiter, davon 24 Auszubildende. Die Danhauser-Gruppe hat insgesamt gut 640 Mitarbeiter. Die Umsätze betrugen 2020 bei der BHG gut 100 Millionen und in der gesamten Danhauser-Gruppe 175 Millionen Euro.

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