„Ohne Visionen kommt man nicht weiter“, hat Wolfgang Gruber erkannt. Und der Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH der SpVgg wurde auch gleich konkreter, als er vor Sponsoren, Freunden, Gönnern, Spielern und Trainern des Regionalligaklubs formulierte: „Wir wollen dorthin, wo wir schon mal waren, wir wollen zurück in den Profifußball.“ Dass dies zum 100. Geburtstag des Vereins, der im Juli 1921 als TuSpo Bayreuth gegründet wurde, ein wunderbares Geschenk wäre, wurde nicht in der Form gesagt, war aber zwischen den Zeilen zu hören.

Gruber selbst sah für Zurückhaltung am Freitagabend keinen Grund: „Weshalb wir so offensiv sind? Wir verbreiten eine Botschaft: Das Selbstvertrauen ist da. Die Vergangenheit ist abgeschlossen, die Situation erscheint günstig. In der kommenden Saison gibt es in der Regionalliga Bayern wohl kein Team wie jetzt Türk Gücü München, für das der Titel reserviert scheint.“ Also Angriff!

Das war die Steilvorlage für Veh: „Es ist immer auch wichtig zu sehen, was die Konkurrenz macht“, sagte der Bayreuther Zweitligaspieler der Jahre 1988 und 1989 (vorher Mönchengladbach), der als Trainer den VfB Stuttgart 2007 zur Deutschen Meisterschaft geführt hat und zuletzt als Sportdirektor beim 1. FC Köln wirkte. Er sei „überzeugt, dass die SpVgg in guten Händen ist, wenn das Versprochene umgesetzt wird. Menschen, die an der Spitze stehen, müssen andere Menschen führen können.“

Der letzte Satz hätte bei der nach Rückblicken, Ausblicken und Einblicken von Christian Höreth moderierten Talkrunde auch von Johannes von Westphalen stammen können. Der ist Leiter einer unterfränkischen Firma im Bereich Textilmaschinenbau und durch seinen Sohn Gregor (Torjäger in der zweiten Mannschaft) mit den Altstädtern verbandelt.  Er habe den Verein als große Gemeinschaft kennengelernt, berichtete der einstige Fußballer bei Paris SG, der auch den früheren Regionalligisten aus dem kleinen Ort Großbardorf sponserte. Deshalb seine Einschätzung: „Bayreuth ist groß genug für einen Drittligaklub, aber womöglich ist es jetzt noch etwas zu früh, über die 3. Liga zu sprechen.“

„Als ich im September 2018 hierher kam, waren wir von der 3. Liga so weit weg, wie es die Pyramiden von Bayreuth aus sind.“ So die Sicht des aktuellen SpVgg-Trainers Timo Rost. Die Distanz ist für den derzeitigen Tabellenvierten geringer geworden, der 41-Jährige weiß warum: „Beim Erfolg muss auf drei Säulen gebaut werden: die Unterstützung durch die Stadt, wie ich sie in Cottbus erlebt habe, zuverlässige Sponsoren und eine fähige Mannschaft mit aktiven Fans – alles ist hier vorhanden.“ Wolfgang Gruber indes weiß, was er an seinem Coach hat: „Der fränkische Fußballgott hat uns den Timo geschickt.“ Bei Rost habe man gleich bei seiner ersten Ansprache an die Spieler gewusst, dass er ihnen etwas vermitteln könne. Doch der Gelobte wehrt bescheiden ab: Wichtiger als jeder Trainer seien Fußballer, „die nicht lange fragen, sondern das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Und die haben wir zum großen Teil, so dass im Sommer nicht viele Verstärkungen nötig sein werden.“

Im Jahr 2005 war Martin Driller eine Verstärkung für die Bayreuther. Der Kult-Profi (mehr als 300 Spiele für Dortmund, St. Pauli und Nürnbergs Club – „Ich kenne mich aus mit Vereinen, die kein Geld haben“) ließ seine Karriere am Roten Main ausklingen. Doch schon nach 18 Regionalliga-Einsätzen (mit elf Toren) zog er weiter nach Ingolstadt. Das Geld wurde knapp, für Driller war keines mehr da.  „Damals wurden hier die Ziele noch nicht so hartnäckig verfolgt, wie es jetzt der Fall zu sein scheint“, sagte der 50-Jährige in der „Sudpfanne“. Eine Erkenntnis von früher habe aber weiter Gültigkeit: „Bayreuth hat tolle Fans – ich habe das halbe Jahr in der Stadt sehr genossen und komme deshalb immer gern aus Nürnberg, wenn meine Hilfe gebraucht wird.“

Ohne Unterstützung geht es nicht, das betonte auch Gruber. Er sprach von einem „festen Schulterschluss“ mit der Stadt, sieht die neue Tribüne im Stadion als „Zeichen, dass man uns helfen will“. Kleine Seitenhiebe konnte er sich nicht verkneifen: Frühere OBs wie Dieter Mronz und Michael Hohl hatten ein Herz für die Spielvereinigung, betonte er. Die aktuelle Amtsinhaberin Brigitte Merk-Erbe habe er im Stadion lange nicht gesehen.

Und wenn man schon mal beim Necken ist: „Wir sind Fußballer aus Leidenschaft - und wir sprechen fränkisch“, sagt Gruber über seinen „Verein aus der Provinz mit viel Herz“. Basketballer und Eishockeyspieler werden es vernehmen…

Doch die Kicker fassen sich vornehmlich an die eigene Nase, erwähnten ihre Ziele, GmbH-Anteile zu verkaufen und die SpVgg zu einer Marke zu machen. Dazu brauche man Menschen, Unternehmen, Investoren. Marcel Rozgonyi, seit November als Sportlicher und Technischer Direktor bei den Altstädtern tätig, weiß: „Kapital und Strukturen sind die Grundlagen für den Erfolg.“ Daran baue der Klub sehr stark. „Es gilt, den Spielern die Argumente dafür zu nehmen, warum es mit dem Erfolg nicht klappen kann.“

Gruber ist derselben Meinung wie von Westphalen: „Bayreuth in der 3. Liga ist möglich.“ Und wie sagte doch Timo Rost: „Ich mag es, mit Menschen zu arbeiten, die Visionen haben.“